Verantwortung

Fünf Spieltage vor Schluss entlässt der SC Paderborn 07 seinen Trainer Stefan Emmerling, welcher von Steffen Baumgart ersetzt wird. Viel zu verlieren hat man ja eh nicht mehr, aber die Wahrscheinlichkeit dafür, dass man mit dieser Personalentscheidung noch irgendwie das Ruder herumreißen kann, ist wohl eher gering. Keimte noch kurz Hoffnung auf, als man den FSV Frankfurt besiegte, ist nach dem 0:4 in Aalen gefühlt wieder alles verloren und der Klassenerhalt zwar noch rechnerisch möglich, aber mehr als unrealistisch.

Diese kurzfristige Personalentscheidung täuscht mal wieder darüber hinweg, dass ein wahrer Neuanfang für den Verein überlebenswichtig ist. Die Neueinstellung von Markus Krösche als Sportdirektor reicht nämlich nicht aus. In Wirklichkeit müssten einige Verantwortliche aufgrund des Niedergangs in den letzten Jahren den Hut nehmen und fähiges Personal für eine nachhaltige Ausrichtung des Vereins eingestellt werden. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre ist es aber mehr als wahrscheinlich, dass die Leute, die die Abwärtsspirale mit zu verantworten haben, weiterhin dem Verein „treu bleiben“ und Profifußball in Paderborn damit mittelfristig zu Grabe getragen wird.

Verzweiflungsmodus

Viele Trainer und Spieler behaupten, dass sie vor dem 10. Spieltag nicht auf die Tabelle schauen. Dieser ominöse 10. Spieltag ist zwar noch nicht um, allerdings hat der SC Paderborn 07 gestern sein zehntes Liga-Spiel absolviert, steht zurzeit auf dem 14. Tabellenplatz und könnte im schlechtesten Fall noch auf Platz 17 abrutschen. Die Lage ist mehr als ernst und die nackten Zahlen lassen jeden Fan verzweifeln: 10 Spiele, 12 Punkte, 20 Gegentore, dazu kein Zu-Null-Spiel seit Saisonbeginn. Auf ein 0:3 in Regensburg folgte nun ein 0:3 daheim gegen Hansa Rostock. So langsam weiß ich als Fan nicht mehr weiter und suche die Antworten auf die folgenden Fragen!

  • Warum sollte man an René Müller als Trainer festhalten?
  • Ist die Vereinsführung zu schwach?
  • Welche Fehler gab es bei der Planung des Kaders?
  • Warum sind 6.229 Zuschauer kein befriedigendes Ergebnis für ein Spiel am Freitagabend?
  • Warum kritisiert der Verein im Spielbericht die fehlende Durchschlagskraft und nicht die schwache Defensive?
  • Warum klatschen die Fans am Ende des Spiels nach einer furchtbaren Leistung in der 2. Halbzeit?
  • Warum wird Jonas Brammen von einigen Fans als Heilsbringer bei der Einwechslung gefeiert?
  • Warum macht die Nummer 2 im Tor in seinen ersten 45 Minuten in der 3. Liga so folgenschwere Fehler?
  • Warum holt sich Sven Michel in der Nachspielzeit eine überaus dämliche gelb-rote Karte ab?
  • Warum wechseln wir in Minute 46, 77 und 85?
  • Wann bekommt Dino Medjedovic seine Chance?
  • Wer stellt die unbequemen Fragen bei der Mitgliedervollversammlung?
  • Müssen sich die Fans nach Abstiegskämpfen in der Bundesliga und der 2. Bundesliga nun auch auf Abstiegskampf in der 3. Liga einstellen?
  • Geht es nun noch weiter bergab?
  • Ist der SCP ein Verein, der in die Regionalliga gehört?

Habt ihr weitere Fragen oder Antworten auf die Fragen, dann freue ich mich auf eure Kommentare!

Effenberg gefeuert!

Um 5 vor 12 (vielleicht sogar im wahrsten Sinne des Wortes) gibt der SC Paderborn 07 die Trennung von Cheftrainer Stefan Effenberg bekannt. Der Twitter-Account von SPORT1.fm berichtete zuerst.

Mein Statement in schwarz und blau

Vor nicht einmal zwei Wochen garantierte man Stefan Effenberg noch den Job bis zum Saisonende.

Wir sind zu dem Entschluss gekommen, mit Effenberg weiterzumachen. Dafür nehmen wir notfalls den Abstieg in Kauf. (Wilfried Finke gegenüber der Bild, 22.02.2016)

Das zählt jetzt nicht mehr und der SC Paderborn 07 ist nicht nur sportlich mit Platz 17 auf einem Tiefpunkt angekommen, sondern auch in der Außendarstellung. Wie sehr will sich dieser Verein noch vor aller Welt lächerlich machen? Rekapitulieren wir mal die Saison mit ein paar Stichworten:

  • überzogene Ticketpreise,
  • Saisonziel: oberes Tabellendrittel,
  • Entlassung von Markus Gellhaus,
  • Mitgliederversammlung: Wir wollen zeitnah aufsteigen,
  • grundlose Suspendierungen von Saglik, Brückner und Lakic,
  • großartige Interview-Show auf Sky beim Spiel gegen Fortuna,
  • Penis-Skandal im Trainingslager,
  • Job-Garantie für Effe,
  • abgelaufene Trainerlizenz von Effe,
  • Entlassung von Effe,
  • 12 Spiele am Stück ohne Sieg.

Habe ich etwas vergessen? Ja, das ist durchaus möglich, denn bei all dem Mist, der in den letzten Monaten passiert ist, kann man schnell mal den Überblick verlieren! Und die gute Nachricht ist, dass man noch ca. zwei Monate Zeit hat, um sich noch weiter zu blamieren. Das Problem bei der ganzen Sache ist allerdings, dass der SCP, im Unterschied zum HSV, nicht unabsteigbar ist! Der Gang in Liga 3 wäre fast schon die logische Konsequenz und mehr als gerechtfertigt bei der Show, die man gerade in Paderborn abliefert. Ich bin jedenfalls restlos bedient und wer glaubt, dass es nicht mehr schlimmer kommen kann, soll mir bitte sagen, wie sich der aktuelle Zustand bessern soll! An den Klassenerhalt glauben zurzeit wohl die Wenigsten und ich gehöre nicht dazu.

Randbemerkung: Im aktuellen PaderCast (PC022 – Joko und Klaas lade ich erst mal nicht ein), welcher nahezu zeitgleich zur Entlassung veröffentlicht wurde, war der Trainer nicht mal ein Diskussionsthema.

Proschwitz fliegt, Effenberg bleibt

Der Baum brennt beim SC Paderborn 07. Nick Proschwitz wurde, wie sich gestern bereits andeutete, suspendiert, nachdem er im Trainingslager vor mehreren Leuten die Hose heruntergelassen hat. Der Vorwurf der sexuellen Belästigung stand dabei im Raum. Das vermeintliche Opfer erklärte allerdings, dass sie keine Belästigung durch Proschwitz wahrgenommen hat, sondern die Berichterstattung zum Vorfall als deutlich störender empfand. Ein anderer Augenzeuge widersprach dieser Darstellung. Unabhängig von dem Hin und Her ist eine sofortige Freistellung des Stürmers folgerichtig und alternativlos, da übermäßiger Alkoholkonsum und das Herunterlassen der Hose in einem Trainingslager auch noch in Anwesenheit der Presse nicht zu akzeptieren ist und nichts mit Professionalität zu tun hat. Gerade in Hinblick auf die Diskussionen im Januar zu sexualisierter Gewalt blieb dem Verein keine andere Maßnahme übrig und ich bin froh, dass Wilfried Finke klare und gute Worte zu dem Thema auf der Pressekonferenz gefunden hat.

Stefan Effenberg dagegen bleibt. Das ist nachvollziehbar, da man mit der Suche nach einem neuen Stürmer eine Woche vor Transferschluss schon genug gestraft ist und in den nächsten Monaten wohl nur ungern Gehalt für zwei beurlaubte Chef-Trainer zahlen möchte. Außerdem hat Effenberg im Trainingslager erstmals die Gelegenheit bekommen das Team über einen längeren Zeitraum zu trainieren, ohne dabei von Pflichtspielen unterbrochen zu werden. Damit besteht zumindest die Chance, dass er nun ein einigermaßen funktionierendes System implementiert hat, welches sich durch einen erneuten Trainerwechsel unter Umständen erneut geändert und die Spieler noch mehr verunsichert hätte.

Nichtsdestotrotz ist der Imageschaden an dieser Stelle enorm und von den geernteten Sympathien durch den phänomenalen Bundesliga-Aufstieg ist nun wohl gar nichts mehr übrig. Die Stimmung bei den Fans ist zusätzlich aufgrund der miesen Leistungen, der hohen Ticketpreise und der schwer nachvollziehbaren Freistellungen von Brückner und Saglik schon lange am Nullpunkt angekommen. Und wer noch schlechtere Laune haben möchte, schaut auf das Auftaktprogramm im Februar und sucht sich Fakten heraus, die dafür sprechen, dass es ab März noch düsterer aussieht:

  • SV Sandhausen (A) – 7. Platz – Fakt: 6:0-Sieg des SVS beim letzten Aufeinandertreffen,
  • FC Kaiserslautern (H) – 8. Platz – Fakt: 1 SCP-Sieg in 11 Zweitliga-Duellen,
  • Arminia Bielefeld (A) – 12. Platz – Fakt: SCP in Bielefeld noch ohne Sieg,
  • RB Leipzig (H) – 1. Platz – Fakt: SCP mit 2 Niederlagen aus 2 Spielen.

Effenberg kommt nach Paderborn

Diese Verpflichtung einen Hammer zu nennen, ist beinahe untertrieben. Stefan Effenberg sitzt ab sofort auf der Trainerbank in Paderborn! Ja, der Mann, der letztens noch betrunken nach dem Oktoberfest mit dem Auto gefahren ist und schon als Spieler bekannt dafür war kein Blatt vor dem Mund zu nehmen oder auch mal drastisch mit dem Stinkefinger zeigte, was er vom Publikum hält.

Herzlich willkommen in Paderborn! Es wurden auch bereits erste Maßnahmen eingeleitet, um den Tiger hier in unserer schönen Stadt gebührend empfangen zu können. Auffenbergs Biergarten heißt ab sofort Effenbergs Biergarten und die Buslinie 9 fährt nicht mehr zum Kaukenberg, sondern zum Effenberg. Wir alle sind uns sicher, dass dieser Trainer einen positiven Effe-kt auf die Mannschaft haben wird!

Spaß beiseite. Dieser Mann wird Ärger bringen und das meine ich nicht einmal negativ. In Ruhe arbeiten, wie seine Vorgänger, wird er bei uns nicht können. Er sagt selbst, dass der erste Schuss sitzen muss und kommt nicht zum SCP, um irgendeinen Posten zu haben. Er möchte die Trainerschmiede schlechthin besuchen und wie schon Breitenreiter, Schmidt oder Luhukay nach seinem Engagement in Ostwestfalen eine Bundesliga-Mannschaft trainieren. Scheitert er bei uns, bleibt er für immer ein Sky-Experte. Der SC Paderborn 07 dagegen geht seinen Weg konsequent weiter und holt sich einen Übungsleiter, der auf dem Gebiet wenig Erfahrung hat (faktisch gar keine) und sich bei uns beweisen möchte. Das ist, in Anbetracht der nun permanenten Beobachtung durch die Medien, gewagt, aber keineswegs ein zum Scheitern verurteiltes Vorhaben. Es steht für den Verein und „Effe“ sehr viel auf dem Spiel und beide Parteien würden dieses Experiment nicht eingehen, wenn sie nicht davon überzeugt wären, dass es glücken wird. Von daher hoffe ich sehr, dass Effenbergs erster Schuss tatsächlich sitzt und blicke mit leichtem Optimismus , sowie etwas Vorfreude auf die ersten Spiele.

Wer ist René Müller?

Die heutige Meldung kam nicht unerwartet. Nach der Niederlage gegen den MSV Duisburg musste Markus Gellhaus seine Sachen packen und ist ab sofort nicht mehr als Trainer für die Mannschaft des SC Paderborn 07 zuständig. Stattdessen leitet zunächst René Müller das Training beim SCP und macht dies nicht zum ersten Mal! Bereits in der Saison 2012/13 übernahm er vor dem 33. Spieltag das Amt von Stephan Schmidt, um anschließend in seinem ersten Spiel als Trainer für eine Profimannschaft den Klassenerhalt klarzumachen. Man gewann damals gegen 1860 München mit 2:0. In der darauffolgenden Saison übernahm André Breitenreiter das Team und René Müller kümmerte sich wieder um seine eigentliche Aufgabe: Die Leitung der Nachwuchsabteilung beim Sport-Club. Für diesen Posten läuft sein Vertrag noch bis zum 30.06.2016.

Unsere Übergangslösung auf dem Trainerstuhl war aber auch schon als Spieler in Paderborn aktiv. In seiner ersten Saison stieg er 2004/05 mit dem Verein in die 2. Bundesliga auf und blieb bis zum Abstieg in die 3. Liga 2007/08 in Ostwestfalen. Insgesamt erzielte er für den SCP 20 Tore in 73 Spielen, unter anderem auch den zwischenzeitlichen Ausgleich zum 2:2 beim manipulierten DFB-Pokalspiel gegen den HSV. Wer sich von seinen stürmerischen Fähigkeiten überzeugen möchte, riskiert einen Blick auf YouTube (Link) und findet ein Video vom Spiel des Sport-Clubs in Burghausen am 02.05.2006 bei dem René Müller zum 1:1 trifft. Die Vorlage gab damals Marcel Ndjeng, auf der Bank saßen neben Jos Luhukay ein Markus Gellhaus als Co-Trainer und ein Ersatztorwart mit dem Namen Lukas Kruse. Wenn man das liest, kommt es einem beinahe so vor, als hätte sich in den letzten 10 Jahren gar nicht so viel getan.