Proschwitz fliegt, Effenberg bleibt

Der Baum brennt beim SC Paderborn 07. Nick Proschwitz wurde, wie sich gestern bereits andeutete, suspendiert, nachdem er im Trainingslager vor mehreren Leuten die Hose heruntergelassen hat. Der Vorwurf der sexuellen Belästigung stand dabei im Raum. Das vermeintliche Opfer erklärte allerdings, dass sie keine Belästigung durch Proschwitz wahrgenommen hat, sondern die Berichterstattung zum Vorfall als deutlich störender empfand. Ein anderer Augenzeuge widersprach dieser Darstellung. Unabhängig von dem Hin und Her ist eine sofortige Freistellung des Stürmers folgerichtig und alternativlos, da übermäßiger Alkoholkonsum und das Herunterlassen der Hose in einem Trainingslager auch noch in Anwesenheit der Presse nicht zu akzeptieren ist und nichts mit Professionalität zu tun hat. Gerade in Hinblick auf die Diskussionen im Januar zu sexualisierter Gewalt blieb dem Verein keine andere Maßnahme übrig und ich bin froh, dass Wilfried Finke klare und gute Worte zu dem Thema auf der Pressekonferenz gefunden hat.

Stefan Effenberg dagegen bleibt. Das ist nachvollziehbar, da man mit der Suche nach einem neuen Stürmer eine Woche vor Transferschluss schon genug gestraft ist und in den nächsten Monaten wohl nur ungern Gehalt für zwei beurlaubte Chef-Trainer zahlen möchte. Außerdem hat Effenberg im Trainingslager erstmals die Gelegenheit bekommen das Team über einen längeren Zeitraum zu trainieren, ohne dabei von Pflichtspielen unterbrochen zu werden. Damit besteht zumindest die Chance, dass er nun ein einigermaßen funktionierendes System implementiert hat, welches sich durch einen erneuten Trainerwechsel unter Umständen erneut geändert und die Spieler noch mehr verunsichert hätte.

Nichtsdestotrotz ist der Imageschaden an dieser Stelle enorm und von den geernteten Sympathien durch den phänomenalen Bundesliga-Aufstieg ist nun wohl gar nichts mehr übrig. Die Stimmung bei den Fans ist zusätzlich aufgrund der miesen Leistungen, der hohen Ticketpreise und der schwer nachvollziehbaren Freistellungen von Brückner und Saglik schon lange am Nullpunkt angekommen. Und wer noch schlechtere Laune haben möchte, schaut auf das Auftaktprogramm im Februar und sucht sich Fakten heraus, die dafür sprechen, dass es ab März noch düsterer aussieht:

  • SV Sandhausen (A) – 7. Platz – Fakt: 6:0-Sieg des SVS beim letzten Aufeinandertreffen,
  • FC Kaiserslautern (H) – 8. Platz – Fakt: 1 SCP-Sieg in 11 Zweitliga-Duellen,
  • Arminia Bielefeld (A) – 12. Platz – Fakt: SCP in Bielefeld noch ohne Sieg,
  • RB Leipzig (H) – 1. Platz – Fakt: SCP mit 2 Niederlagen aus 2 Spielen.

5 Gedanken zu “Proschwitz fliegt, Effenberg bleibt

  1. Falsche Entscheidung. Nachdem die Frau klar gestellt hatte, dass sie nicht belästigt worden ist, hätte man diese Aussage nutzen können und müssen, um die Angelegenheit mit einer Geldstrafe aus der Welt zu schaffen.

    Einen – zugegeben – dummen Jungenstreich, der von Erwachsenen im Vollsuff ausgeübt wurde, mit den Vorfällen der Silvesternacht in mehreren Großstädten gleichzusetzen, oder auch nur irgendwie miteinander in Relation zu setzen, verbittet sich.

    So hat man auf einer Position, wo man eh schon schlecht besetzt war, diese noch weiter geschwächt.

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    • Ich setze die Vorkommnisse nicht gleich! Es ist nur richtig, dass vom Timing her dieser Vorfall kaum zu einem schlechteren Zeitpunkt hätte erfolgen können. Der Imageschaden wäre in meinen Augen beim Auslassen einer Suspendierung noch wesentlich größer gewesen.

      Unabhängig davon hat Finke auf der PK auch klar ausgedrückt, dass sich Nicks Aktion mit seinen Werten nicht deckt und für mich spricht er auch als Vereinsmitglied, dass sich die Aktion nicht mit den Werten des Vereins deckt. Mir ist klar, dass das einige anders sehen, aber ich bin von der Entscheidung tatsächlich überzeugt (und das war in der Vergangenheit wahrlich nicht oft der Fall). Einig werden wir uns da sicher nicht. 😉

      Aber du hast natürlich vollkommen recht, dass wir uns auf der Position geschwächt haben, wo wir uns das gar nicht erlauben dürfen.

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  2. Guter Artikel zu einer richtigen Entscheidung. Vereinsführung und besonders Finke haben wenig richtig gemacht in den letzten 9 Monaten, aber dieses Vorgehen hat meinen Respekt. Ich halte den Vorgang nicht für eine Lappalie (war natürlich nicht dabei und kann nicht wissen, wie genau das gelaufen ist) und der Verein hätte sich angesichts der Berichterstattung auch unglaubwürdig gemacht, wenn er die Sache als eine Lappalie behandelt hätte. Stattdessen geht der Club mit seiner Entscheidung sowohl finanziell (Arbeitsrecht) als auch sportlich (Sturmmisere) ein hohes Risiko ein, setzt aber ein klares Zeichen, dass ihm ethische Aufrichtigkeit wichtiger ist als Geld oder Tore. Das finde ich gut. Und ich hatte im letzten Jahr wenig Anlass, am SCP etwas gut zu finden.

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  3. Pingback: #Link11: Hosenzwang | Fokus Fussball

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