Fußball ohne Fankultur möglich?

Ein Platzsturm in Gladbach hier, etwas Pyrotechnik da. Manche Aktionen sind einfach nur unfassbar dämlich und in keinem Fall nachvollziehbar, über andere lässt sich streiten. In jedem Fall sorgen solche Vorkommnisse immer wieder für heftige Diskussionen mit Forderungen nach Verbot von Auswärtsfahrten oder Abschaffung von Stehplätzen.

Meine persönliche Meinung

Ich selbst bin ein großer Anhänger der aktiven Fankultur, wie sie zurzeit in Deutschland gepflegt wird und für mich machen die Sachen, die nach der Vorstellung einiger Leute abgeschafft werden sollen, die Faszination am Fußball aus. Warum soll ich im Pay-TV ein hochklassiges Spiel sehen bei dem Real Madrid in der Champions League gegen Paris St. Germain spielt? Ich fühle mich so sehr viel besser unterhalten, wenn ich ein unterirdisches Regionalligaspiel in einem altehrwürdigen Stadion sehe, bei dem sich die Fangruppierungen einen Schlagabtausch mit Sprechchören liefern und auf dem Platz gegen den Abstieg in die fünfthöchste Spielklasse gekämpft wird.

Ich wünsche mir, dass das die Masse genauso sieht und befürchte immer mehr, dass dies nicht der Fall ist.

Meine These: Die Mehrheit will einfach nur guten Fußball sehen.

Die Premier League hat kürzlich Aufsehen erregt mit einem neuen Milliarden-Deal. Wow! Man enteilt sogar der „Weltmeister“-Liga und setzt wahnsinnig viel Geld um und das obwohl es quasi keine Fankultur in Englands höchster Spielklasse gibt. Selbst wenn die Engländer darauf Wert legen würden (oder wir Deutschen), böte der Markt noch genügend andere Möglichkeiten. In der restlichen Welt gibt es viele Menschen, denen man versucht Fußball schmackhaft zu machen. Man muss kein Marketing-Experte sein, um zu verstehen, dass man dort die „Weltmeister“-Liga nicht als die emotionalste und stimmungsvollste Liga der Welt bewirbt, sondern als die (spielerisch) beste Liga. Auch so überzeugt man Leute Pay-TV-Abos abzuschließen oder sich ein Trikot zu kaufen. Die paar einheimischen Fans, die wegfallen, weil sie auf Stimmung wert legen, kompensiert man durch die Mehreinnahmen locker.

Auch stelle ich fest, dass es viele Leute gibt, die mit einer gewissen Gleichgültigkeit die Probleme und Sorgen der Fans wahrnehmen: Spruchbänder im Stadion sind uninteressant, Kollektivstrafen ein legitimes Mittel, um Chaoten in den Griff zu bekommen und ob nun mehrheitlich Traditionsvereine in der Bundesliga spielen oder nicht, ist ebenfalls nicht so wichtig, solange der eigene Verein mitmischt.

Mein Fazit

Diese Aussichten sind mehr als düster, aber leider verfügt die aktive Fanszene nicht unbedingt über die stärkste Lobby. Zu oft wird in den Medien das Bild von radikalen Chaoten gezeichnet und am Ende wird es Fußballfunktionäre in Deutschland geben, die im globalen Wettrüsten um die beste profitabelste Fußballliga der Welt dieses Bild ausnutzen und denselben Weg einschlagen werden, wie er in den anderen großen Ligen bereits bestritten wird. Der Fußball wird vielleicht noch schöner anzusehen sein, aber den SC Paderborn 07 sucht man dann vergebens unter den Top 50 Teams in Deutschland und an die Gänsehaut bei der Geräuschkulisse im Stadion werden sich einige Fans sehnsüchtig zurückerinnern.

6 Gedanken zu “Fußball ohne Fankultur möglich?

  1. Pingback: Fußball ohne Fankultur möglich? | re: Fußball

  2. Sorry …..Fussballer sind Arbeitnehmer bei der Firma Fussballverein…..die haben wenige Jahre um Ihr Geld zu verdienen und die paar wenigen, die damit Millionen verdienen tingeln dafür durch die Welt. Ich will das für mich nicht. 99% der Spieler, ist der Arbeitgeber scheiß egal.

    Ihr vergleicht euer Fanherz immer mit der Loyalität der Spieler…..die gibt es aber nicht.
    Fussball ist ein Spiel, ich gehe ins Stadion um ein gutes Fussball Spiel zu sehen…..freue mich wenn Paderborn gewinnt und applaudierte auch wenn sie gut spielen und nicht gewinnen und wenn sie scheiße gespielt haben, applaudiere ich auch für den Gegner, wenn er Guten Fussball gespielt hat.
    Was gar nicht geht, sind Pyro, Anfeindungen und Beleidigungen…..Derbys sind toll…..aber dann muss man der anderen Manschaft auch gratulieren, wenn sie gewonnen haben.
    Ich hab das Arminia Spiel am Sonntag so genossen. Die Bielefelder machen einen super Job und ich drücke fest die Daumen.
    Hab zuerst das Spiel der DSC geguckt und dann unsere Pader Jungs. ….mein SC Schal liegt immer neben dem DSC Schal und das passt wunderbar. ….und alle die das nicht verstehen, sollen Ihre Kutten und Pyro scheiße nehmen und sich in irgend einem Steinbruch gegenseitig die Fresse voll hauen und uns Fussball Gucken einfach Fussball gucken lassen……Null Verständnis für jede Art von Gewalt, Beleidigung und der Nichteinhaltung von Gesetzen…..Ich hab noch nie Probleme mit der Polizei gehabt….und bekomme auch nie welche….die Pyro-Idioten müssen lebenslanges Stadionverbot bekommen. ..

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  3. Hmm, schwieriges Thema, bei dem man meiner Meinung nach auch aufpassen muss, da nicht verschiedene Ebenen miteinander zu vermischen. Eine bunte Kurve und Fankultur mit Choreographien und Aktionen, Fangruppen, die von innen heraus (ohne das so zu nennen) in erheblichem Maße Jugendsozialarbeit betreiben und Menschen, die quasi ehrenamtliche große Teile ihrer Freizeit opfern, um etwas für den Verein zu tun (bei uns z.B. der Fan-Dachverband und der FanRat e.V., um nur zwei zu nennen) sind eine Sache – die Pyro-Geschichte und etwaige Allmachtsphantasien einiger Ultrá-Gruppen muss man da, denke ich, noch mal gesondert diskutieren.

    Das große Problem ist aber, dass das gerade in der öffentlichen/medialen Diskussion (absichtlich) nicht gemacht wird. Da sind dann eben die Handvoll Idioten, die in Gladbach den Platz gestürmt haben, „die Fans des 1. FC Köln“ und diejenigen, die eine Choreo mit Pyro unterlegen, gewaltbereite Krawallmacher. Hintergrund ist natürlich (unter anderem) das Bestreben, das „Produkt Fußball“ noch massenkompatibler und damit profitabler zu machen – und da unterscheiden sich die Proficlubs im Übrigen überhaupt nicht voneinander, ob die nun RB Leipzig, TSG Hoffenheim oder Borussia Dortmund, Bayern München und vermutlich auch SC Paderborn heißen. Kritische, subkulturell organisierte Menschen passen da halt nicht so ins Konzept. Wozu das führt, kann man ja in Italien (ganz traurig) und auch in England (auch traurig, aber in anderer Weise) gut sehen. Wir sind da in Deutschland auch auf einem entsprechenden Weg (Hannover!), weil man natürlich auch hier dem Lockruf des Geldes folgt bzw. meint, folgen zu müssen. Das ist eben so (interessant und diskussionswürdig im Gegensatz dazu übrigens der ’neue‘ (?) Ansatz des FC St. Pauli, wie hier zu lesen ist: http://www.welt.de/sport/article137301225/St-Paulis-Bekenntnis-wider-den-modernen-Fussball.html).
    Und daher halte ich es auch eher mit Stephan: lieber einen Graupenkick mit Gänsehautstimmung in der Regionalliga (okay, momentan geht es für mich ja auch kaum anders 😉 ) als Hochglanzfußball und Klatschpappenkultur ein paar Etagen weiter oben. Sollte der FCM jemals in diese Sphären aufsteigen, wird es aber auch bei uns spannend werden, zu beobachten, ob und wie sich die Wahrnehmung rund um unsere sehr aktive (und häufig sehr positiv aktive) Fanszene so ändert…

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